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„Längst ist Genoux in Hagenwerder kein Fremder mehr, eher ein Kuriosum. Die Leute können ihn nicht verorten: Mit seiner Freundin spricht er Russisch, er isst Hackbraten und trinkt Pfeffi wie ein Einheimischer. Genoux sagt: „Ich habe in Sachsen keine Rassisten getroffen. Ich habe nur Menschen getroffen, die Angst haben vor Fremden.“ Vor Fremden oder Fremdem? – „Beides.“ Viele hätten noch nie mit einem Geflüchteten geredet, glaubt er. „Man bekommt Hilfsbereitschaft nicht hin, indem man mit dem Finger auf Leute zeigt.“ Und hilfsbereit sind die Leute, darauf schwört er.“

So ein Drama – taz am Wochenende 21.10.2018. Sabine Seifert begleitete Georg Genoux fünf Monate lang bei der Verwirklichung seines Projekts.

 

„Es war nur ein Teil der Aufführung, die die fünf alten Damen auf diesem Weg sehen konnten. Aber mit jeder Minute veränderte sich die Stimmung im nüchtern eingerichteten Raum der ASB-Stätte. Da es viel um Heimat geht in dem Stück, spielten auch Lieder der Heimat eine Rolle. Das Landeskronen-Lied aus Görlitz, das Oberlausitzlied. Bei beiden stimmten sie mit ein. Und dann erzählten sie einige Geschichten aus ihrem Leben in Hagenwerder; Geschichten, die hinter den Fassaden der Häuser spielten, die Georg Genoux als Modelle auf der Theaterbühne aufgestellt hatte. Wie Rosemarie Hiltscher, jetzt 91 Jahre alt, einst genau mit dem Umzug nach Hagenwerder schwanger wurde – nach 13 Jahren ungewollt kinderloser Ehe. „Das hat die dreckige Luft gemacht“, sagt sie und lacht. Denn dreckig war die Luft direkt gegenüber von Kraftwerk und Kohlegrube bis in die 1990er Jahre hinein allemal. Aber damals war einiges los in Hagenwerder. 3 000 Menschen lebten hier – jetzt gerade mal 700. Die alten Damen erzählen von ihrer Arbeit im Kraftwerk oder in der HO-Gaststätte am Ort. Alles lange, lange her. Damals, hat Georg Genoux von den Leuten in Hagenwerder erfahren, war die Arbeit nicht nur Broterwerb – sondern für die Menschen der Sinn des Lebens.“

Heimatgefühle im Tal der Vergessenen – Frank Seibel in der Sächsischen Zeitung vom 10.10.2018

 

„Georg Genoux hat Hagenwerder entdeckt. Den alten Kohlebagger, der als Industriedenkmal an der B 99 steht. Die Wohnblöcke aus den 1970er Jahren für die Bergleute und Kraftwerker. Er hat die leeren Fenster gesehen, aber auch die alte Dame, die sich, geschminkt, geschmückt, frisiert, aus dem Fenster lehnt und in die Welt schaut. Und er hat die kleine Kneipe des Görlitzer Ortsteiles entdeckt. „Da gibt es leckeren Hackbraten“, sagt er. Und dort trifft er auf die Menschen und ihre Geschichten: von der einst guten und gut bezahlten Arbeit im Tagebau oder im Kraftwerk, vom Niedergang der Industrie nach der Wende, von Arbeitslosigkeit, Scheidung, Suff. Aber auch von einer rauen Herzlichkeit. So zitiert er einen Stammgast in seinem Tagebuch: „Wir sind hier Kumpels wie Sau. Aber wenn man sich es hier mit uns verscherzt, kann es sehr lange dauern, bis man wieder dazugehören kann.“

In einem unbekannten Land – Frank Seibel in der Sächsischen Zeitung vom 01.10.2018