Das Land, das ich nicht kenne B

18.05.2019 um 19.30

Das Land, das ich nicht kenne B

im Rahmen des Festivals „Willkommen Anderswo IV“, organisiert vom Thespis Zentrum Bautzen am Deutsch – Sorbischen Volkstheater.

7.JPG

Interdisziplinäres Film – und Theaterprojekt von Georg Genoux

Konzeptionelle Mitarbeit: Anastasia Tarkhanova

Autoren und Darsteller: Sächsische Senioren und junge Menschen, die aus vielen Ländern der Erde nach Sachsen kamen.

Was ist da eigentlich los in Bautzen? Nicht nur nachdem junge Asylbewerber von Rechtsextremen durch die Straßen gejagt wurden oder ein stadtbekannter Rechtsextremer zu einer Demonstration gegen eine nazikritische Bloggerin aufgerufen hat, blickt ganz Deutschland mit großer Besorgnis auf den Osten. Hass, Angst aber auch Verzweiflung machen sich breit – es scheint, die Gesellschaft spalte sich in zwei verschiedene Lager. Theaterregisseur Georg Genoux aus Hamburg, der seit 1998 größtenteils in Osteuropa und Russland lebt und arbeitet, kam bereits vor drei Jahren für das Theaterfestival „Dreiländerspiel“ in das sächsische Zittau. Schon damals spürte er: „Hier, in Deutschland, wo ich aufgewachsen bin, gibt es eine Welt, die ich nicht kenne“. Sein Gefühl wurde bestätigt. Einige Menschen, die ihm in Sachsen einst so liebenswürdig begegneten, erkennt er heute einfach nicht mehr wieder. „Sachsen, das mit seiner dramatischen und tragischen Vergangenheit für mich so viel Schönheit verkörpert“, so Genoux, „ist nun zum Sinnbild für Pegida, Rechtsradikalismus, Gewalt und Hass geworden“. Auf der anderen Seite ist sich Georg Genoux sicher: Man bekommt Hilfsbereitschaft nicht hin, indem man mit dem Finger auf Leute zeigt und sie stigmatisiert.

2

Genoux unterbrach seine Arbeiten in der Ukraine und reist seit Januar 2018 durch die sächsischen Gebiete. Er spricht mit Menschen vor Ort, dreht Kurzfilme und inszeniert mit ihnen Theaterstücke.

Das Projekt ist ein fortlaufender Prozess aus Gesprächen mit Menschen aus Sachsen. Sie alle haben verschiedene Lebenswege eingeschlagen und deshalb unterschiedliche Ansichten zu gesellschaftlichen sowie politischen Themen. Gemeinsam mit Genoux sprechen sie über ihre Heimat, ihre persönlichen Geschichten und erarbeiten so Textfassungen für die Theaterinszenierungen – mal im Dialog, mal alleine. Sie selbst übernehmen dabei nicht nur die Rolle der Autoren, sie werden gleichzeitig auch Darsteller des Stücks.

Genoux versucht hierbei auch immer wieder ungewöhnliche Konstellationen aus: In seiner zweiten Theaterarbeit jetzt in Bautzen treffen sich Senioren, die Sachsen schon immer kannten und junge Menschen, die Deutschland durch Sachsen kennenlernen. Durch ihre Augen können beide Gruppen und auch der Zuschauer einen Blick auf das Land werfen, das wir meinen so gut zu kennen. Oder auch nicht so gut.

In Folge des Theaterprojektes „Das Land, das ich nicht kenne B“ gründeten die Teilnehmer der Inszenierung und andere, die sich über das Projekt kennenlernen die internationale Theaterinitiative Sachsenreggea – Bürgerbühne.

 

 

Zusammen mit der Berliner Filmproduktionsfirma Boekamp & Kriegsheim GmbH arbeitet Georg Genoux auch an einem Dokumentarfilm über seine Erlebnisse in Sachsen. Bereits jetzt hält Genoux seine Eindrücke der Reise in einem Online-Tagebuch fest auf http://www.fremdland.org. Auf dieser Homepage werden zudem regelmäßig Kurzfilme und Comics über diese Erlebnisse veröffentlicht.

70