Jeder schützt jeden

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Wieder treten die afrikanischen Jungs aus der Jugendwohngruppe in Zittau in mein Leben. Nicht nur, dass ich mich regelmäßig mit Alfa wegen unserer zukünftigen Premiere in Bautzen treffen, sondern auch mit Steffi Seurich, einer ihrer Betreuerinnen. Gestern erzählte sie mir eine Geschichte, die mir durch Mark und Bein ging.

Oft ist sie mit den Jungs Fußball spielen gegangen. D.h. sie schaut ihnen dabei zu. Einmal waren sie auf einem Fußballfeld, wie üblich mit 2 Toren. Es ergab sich dann so, dass der Fußballplatz quasi geteilt wurde. Also die deutsche Gruppe auf das eine Tor spielte und die afrikanische auf das andere. Keiner kam auch nur auf die Idee, dass man zusammen spielen könnte. Steffi versuchte mit ihren Jungs mal zu reden, ob diese nicht mal mit den Deutschen spielen möchten, diese winkten aber energisch ab.

Die deutschen Jungs schauten aber komisch auf Steffi und man sah ihnen an, dass sie nicht verstehen konnten, was diese deutsche Frau mit den afrikanischen Jungs zu tun haben könnte.

Als dann ein Ball der Deutschen zufällig zu Steffi flog, hielt sie ihn in den Händen und gab ihn den deutschen Jungs erstmal nicht wieder.

Spielt doch mal zusammen und nicht vereinzelnd!

Tatsächlich willigten beiden Seiten ein und nahmen das Spiel gegeneinander auf. Da die Afrikaner mehr waren, musste einer von ihnen bei den Deutschen spielen. Es wurde Fair gespielt.

Doch es herrschte eine Atmosphäre in der Luft, in der man ein Ei hätte kochen können. Sie spürte, wie angespannt und unwohl sich ihre Jungs fühlten.

Das Spiel ging ohne irgendwelche besonderen Vorkommnisse zu Ende. Ich wollte Steffi auch gar nicht fragen, wer gewonnen hatte, sondern sah ein Bild vor mir, dass fast alles beschreibt, was ich hier täglich erlebe.

 

Ein zweites Erlebnis hatte Steffi mit ihren und ein paar arabischen Jungs. Auch diese spielten getrennt voneinander Fußball auf dem Platz. Allerdings musste von den Jungs immer einer “Wache bei Steffi scheiben”, um sie nicht bei den Arabern allein sitzen zu lassen. Denn diese ließen sich  mehr und mehr um Steffi herum auf der Wiese nieder.

Die afrikanischen Jungs achten eh immer auf Steffi’s Aussehen, wenn sie gemeinsam Ausflüge machen. Der Rücken und der Hals darf nicht zu sehen sein.

An dem Tag entstand eine ungemütliche Atmosphäre um Steffi herum. Sie merkte, dass die anderen Jungs auf arabisch über sie sprechen. Schließlich kam Lamin, um bei Steffi Wache zu halten. Und sie merkte, wie nervös er wurde. Er hörte den Arabern zu und konnte sich keine ruhige Minute gönnen. Plötzlich faltete er verbal die Araber in deren Sprache messerscharf zusammen. Es herrschte danach absolute Stille. Lamin bat Steffi dann auf ihrem Fahrrad wegzufahren. Ein Araber fragte dann doch ganz erstaunt Lamin:

“Warum kannst du so gut arabisch”

“Ich habe 18 Monate in einem Flüchtlingscamp in Libyen gelebt”.

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