Weil ich weiß bin

 

georg in bautzen

Heute begann ich die Arbeit an meiner zweiten Theaterinszenierung im Rahmen von „Das Land, das ich nicht kenne“ in Bautzen.

Auf dem Weg nach Bautzen stoppte ich gestern für 40 Minuten in Bischofswerda, um auf den Anschlusszug zu warten. Alleine. Dunkel. Kalt. Und ich konnte auch keinen Menschen hören.

Plötzlich kamen drei Männer auf mich zu. Mein erstes Gefühl: Angst. Ich erinnerte mich daran, was vor Jahren in Bischofswerda mit einem Heim für Geflüchtete geschehen ist. Und dann hatte ich einen Gedanken, für den ich mich jetzt sehr schäme:

Du bist weiß, die rühren Dich nicht an

Aber das waren einfach drei nette junge Männer, die ihre Verwandten in Bischofswerda besucht hatten und jetzt auch auf den Zug warteten.

Ich arbeite jetzt schon fast ein Jahr an dem Projekt in Sachsen und bin immer noch so von Medien und Stereotypen mit der Vorstellung beeinflusst, das hier an jeder Ecke plötzlich ein Nazi aus dem Nichts springen könnte.

Aber ich kann mir auch vorstellen, wie jemand meiner farbigen Freunde gefühlt hätte, wenn er an meiner Stelle hier abends alleine in Bischofswerda gewesen wäre.

Und ich schäme mich zum ersten Mal, dass ich weiß bin und darüber nachdachte, dass dies meine Rettung sein könnte, um nicht von ein paar Arschlöchern verprügelt zu werden.

Heute habe ich dann dieses Foto im wunderschönen Bautzen gemacht.

Alle sind hier so nett zu mir. Weil ich weiß bin?

 

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