Das Leben: Ein Zoo in Sachsen?

24. Mai 2018.

Ich treffe mich mit der Tierpflegerin.

Auf dem Weg vom Eingang zu unserer „Gesprächsbank” bei den Wollschweinen führt sie einen ausgiebigen Dialog mit einem Papagei. Die Tierpflegerin demonstriert mir, dass sie hier wie zu Hause ist. Als wir und setzten, sehe ich, wie aufgeregt sie wegen unseres Gesprächs ist. Sie lacht viel. Erzählt mir über ihre Beziehung und Freundschaft zu dem Papagei. Sie ist in diesem Tierpark „aufgewachsen”. Dann später hat sie hier auch zu Arbeiten angefangen.

Papagei im Zittauer Zoo
© Felix Kriegsheim

Plötzlich hat sie Tränen in den Augen, als sie mir die Geschichte eines Pferdes hier aus dem Tierpark erzählt, das sie hier hat aufwachsen sehen und das jetzt ihr eigenes ist.

Sie erzählt mir folgende Geschichte:

“Hier im Tierpark sind viel Tiere aus vielen verschiedenen Ländern hergekommen. Der Nasenbär, zum Beispiel, ist ein Südamerikaner. Ist in Südamerika beheimatet und hat hier bei uns die Aufgabe, sich bekannt zu machen. Sich einen bekannten Namen zu machen. In einer Heimat, die für ihn völlig fremd ist. Das Tier ist ja auch für uns hier völlig fremd.

Letztes Jahr im Herbst. Da ist ein neuer Zwergseidenaffenmann für unsere Zwergseidenaffendame dazugekommen. Die hat viele Jahre – also einige Jahre, viele Jahre sind es gar nicht – hier verbracht. Mit einem Senior. Also mit einem Zwergseidenaffenmann, der schon sehr sehr alt war. Und den hat sie begleitet bis zum bitteren Ende. Sag ich mal. Und dann war sie plötzlich alleine. Und wir haben uns dann umgehorcht. Wir konnten recht schnell jemanden finden, der geeignet ist. Und jetzt haben die beiden ihren ersten Nachwuchs, den sie bei uns aufziehen. Das ist eine tolle Geschichte.

„Die müssen sich ja aber auch erst mal kennenlernen“

Es ist ja nicht so , dass wir die Tiere gleich aufeinander schmeissen – sage ich mal so –  das geschieht schon mit einer gewissen Behutsamkeit. Das Tier kommt an. Es kann sich erstmal aklimatisieren.

Am unkompliziertesten ist das immer bei Tieren, die sowieso im Gruppenverband leben. Die von Natur aus sehr familär, sehr aufgeschlossen anderen Artgenossen gegenüber sind. Da funktioniert es reibungslos. Es ist natürlich immer schwierig ein Einzeltier in eine bestehende Gruppe zu bringen.

Aber gerade, weil wir ja bei den Zwergseidenaffen waren:

Da ist es so, da kann es schon ziemlich haarig zugehen. Und zwar so, dass Gruppen teilweise auseinanderbrechen, dass mit Toten und Verletzten zu rechnen ist. Das braucht sehr viel Einfühlungsvermögen, sehr viel Fingerspitzengefühl. Und Kenntnis über die Reaktion der Tiere. Also ich komme, ich gucke, ich weiß genau, hier ist etwas nicht in Ordnung.

Es ist Aufgabe der Tierpfleger auch genau zu wissen, wann was nicht in Ordnung ist. Und das in minimalsten Maße. Weil je später man etwas entdeckt, umso gravierender sind die Auswirkungen. Also, man kann viel im Vorfeld vermeiden, wenn man gut beobachtet und seine Tiere genau kennt. Dann kann man so vieles vermeiden. Also man muss eine Wage finden, zwischen „was kann man den Tieren zumuten und was ist zumutbar?“

Was ist grenzwertig? Da ist viel Bauchgefühl. Viel Intuition. Aber wir sperren ja das eine Tier zum anderen. Da müssen wir auch die Verantwortung tragen. Es kommt so auf die Art an. Wie man Kontakt zu einem Tier aufnimmt. Weil ein Affe ist ein anderes Tier als ein Papagei. Und ein Papagei ist ein anderes Tier als ein Nasenbär.

Georg Genoux im Zittauer Zoo
© Felix Kriegsheim

Man redet erstmal … man guckt vorsichtig, man lugt in die Kiste rein, ja. Man guckt sich das erstmal an. Die Tiere sind meistens sehr zurückhaltend. Sehr aufgeregt. Man versucht dann mit der Stimme, mit der eigenen Stimme ruhig und auf die Tiere einzuwirken und ihnen zu erklären, das alles gut ist. Du bist in Sicherheit. Das ist schwierig für die Tiere zu verstehen. Weil die verstehen ja nicht unsere Sprache. Bei Affen sind immer Kontaktlaute wichtig. Also da versucht man schon die Kontaktlaute zu imitieren.

Auch bei Nasenbären, dann kommt dann sofort eine Reaktion, wenn ich anfange zu zwitschern, dann sind sie am Zaun, das funktioniert … ja und … wenig über Körperkontakt. Also über Körperkontakt geht ja im Prinzip nur bei Tieren, die das kennen. Ich sag mal ein Pferd, da nimmt man ganz anders – wie soll ich das erklären – da geht man schon über Körperkontakt, über Streicheln, über Anfassen, über das „in die Nüstern pusten“. Und reden, auch beruhigt reden.

Im Zittauer Zoo.
© Felix Kriegsheim

Bei Kamelen ist es so, die kommen an und da ist der Kopf sofort im Gesicht. Das muss man wissen. Weil die Kontakt aufnehmen über Nüsterpusten. Die pusten sich gegenseitig in die Nüstern. Und nehmen so den Geruch des anderen war. Und Du wirst da jetzt reingehen und die kommt dann zu Dir und wird Dir die Gusche (lacht) ins Gesicht strecken. Und du pustest ihr dann solange in die Nase, bis sie Dir ins Gesicht pustet. Und dann ist das geklärt.

Also ich liebe manchmal diese tiefe Entspanntheit, die die Tiere so haben und leben. Trotz der ganzen Kacke, die manchmal um sie herum ist. Ist ja auch nicht immer einfach als Zootier. Wenn man als Löwe so 24 Stunden am Tag auf der Anlage stehen soll, weil der Zuschauer das gerne so sieht. Das ist auch nicht immer einfach. Oder das von A nach B geschickt werden, weil man in einem Zuchtprogramm dient.

Das ist für die ganz schön schwer. Bei den Elefanten ist das ja so Gang und Gebe. Das die Bullen so ein paar Jahre hier sind, dann ein paar Jahre dort sind. Die müssen sich immer wieder neu finden. Integrieren. Es ist schon bemerkenswert, wie die das meistern. Im Zooleben. Wir reden ja jetzt über das Zooleben. Es ist schon beeindruckend, wie gerade die Tiere das so meistern. Sich da gut einfügen. Meistens.

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