Auf nach Sachsen, noh!

02. Mai 2018.

Es geht los: Zugfahrt nach Zittau

Nachdem ich meinen inneren Schweinehund überwunden hatte, und mich endlich Klein-Paris, nämlich Ottensen in Hamburg und die Oase Kreuzbergs in Berlin verlassen hatte, stellte sich plötzlich Freude beim betreten der Regionalbahn nach Cottbus ein.

Reisefieber.

Es geht wieder los. Umso glücklicher schläft man auf seinem Platz wieder ein. Fahrt: Eine Stunde und neun Minuten. Von Berlin Ostkreuz. Dann Umstieg in Cottbus. In die angenehmste Regionalbahn Deutschlands. Cottbus – Zittau: Eine Stunde und zweiundfünfzig Minuten.

Mit Grauen erinnere ich mich an die unhygienischen Bahnen und muffeligen Menschen in den Regionalbahnen zwischen Berlin und Hamburg und Umkreis. Hier aber ist alles sehr sauber, sehr gepflegt. Die Toilette, groß und wie einem schönen Hotel. Sehr höfliche und gepflegte Menschen. Man sieht auch kein sogenanntes ”soziales Elend”, wie es sonst auf der Strecke „Hamburg-Berlin“ üblich ist.

Zwei Euro für ein kaltes Radeberger

Die lustige, immer hilfsbereite Schaffnerin betreibt auch ein kleines Bar-Bistro als Nebenverdienst. Zwei Euro für ein kaltes Radeberger, das einem schnell mit einem Lächeln und einem “Genießen Sie die schöne Fahrt” serviert wird. Das ist wirklich nicht übel.

Der Mann in der Sitzreihe nebenan, Kahlkopf, mit Kugelbauch und langen Spitzbart bestellt gleich drei Bier. Zwei packt er in seinen knallgelben Rucksack. Mit dem Rest genießt er die schöne Fahrt. Ich überlege ein Gespräch mit ihm anzufangen. Kann dann aber doch nicht meinen inneren Schweinehund (Mist!) überwinden. So genieße ich die Fahrt erst einmal alleine.

Ciao Berlin, ciao Hamburg. Hallo Sachsen.

Doch etwas ist anders. Ja, ich bin nicht mehr in Kreuzberg oder Ottensen. Es sind kaum Ausländer im Abteil. Ein farbiger Fahrgast wirkt wie ein verlorener Fremdkörper. Er fühlt sich sichtbar nicht wohl in seiner Haut. Ganz anders wiederum die Gruppe der mitreisenden Damen aus Schleichen nach Horka: Gute Laune, es wird gelacht,  kleine Schnäpschen und Bier getrunken. Ihr Gekicher wird zur Hintergrundmusik für die weitere Bahnfahrt.

Dann kommt der Moment, über den ich am meisten bei der Reise freue: Die Fahrt durch einen schier endlosen Wald schon kurz vor Zittau. Der Fluss ist noch für eine kurze Zeit durch die Bäume zu sehen. Dann nur noch Wald. Überall. Und ich mittendrin. Zwischen Blättern, die von den Lichtstrahlen der Abendsonne gebrochen werden. Ich freue mich wie ein Glückskeks.

„Meine Taxen sind alle besetzt für die Dialyse-Patienten“ (Taxifahrer in Zittau)

Dann in Zittau ist ist es schwierig ein Taxi am Bahnhof zu bekommen: “Meine Taxen sind alle besetzt für die Dialyse-Patienten. Aber versuchen Sie es mal bei Keppler.” Herr Keppler fährt mich dann persönlich in meine Pension.

Marktplatz in Zittau
© Felix Kriegsheim

Er freut sich, sich endlich bei mir über die andere Taxi-Zentrale aufregen zu dürfen (natürlich im aller-feinsten sächsisch): “Na wenn ich weiß, dass ich mehr Taxen brauche, dann setze ich doch mehr Taxis ein.”

Schwierig ihm zu widersprechen.

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